
Geeren 24
28195 Bremen
Führungen
ab zehn Personen
auf Anfrage
Hier ist alles noch alt. Die neue Zeit hat zwar in Form eines PC mit Flachbildschirm auch im Kontor Einzug gehalten, daneben tippt Frau Münchhausen aber noch auf einer uralten Tasten-Schreibmaschine.
In den Schränken stehen museale Gegenstände: Handröstmaschinen, Kaffeemühlen, altes Geschirr, Filter, Kannen und Mokkatässchen neben Kaffeetüten, Kaffeekannen und Filtern.
Am Tresen unter Glas: ungeröstete und geröstete Kaffeebohnen unterschiedlicher Herkunft und Farbe.
Hier kann man auch den graugrünen Rohkaffee kaufen und "im Backofen oder in der Bratpfanne selber rösten. Aber so einfach ist das nicht", erklärt uns Frau Münchhausen, denn "die rohen Bohnen sind noch umhüllt von silbernen Häutchen, die dann durch die Luft fliegen".
Zwei antiquierte Röstmaschinen für den Hausgebrauch stehen noch im Regal, per Hand mit einer Kurbel zu betätigen. So war das früher.
Münchhausen hat Rohkaffee aus 20 verschiedenen Ländern am Lager, die sortenrein langsam geröstet und dann erst teilweise zu speziellen Mischungen (ab drei Kilo auch nach Kundenwünschen) zusammengestellt werden.
Die Langzeitröstung im Trommelröster folgt alten Traditionen, um das Aroma schonend und ohne chemische Zusätze zu entfalten.
Beim gerade eingetroffenen "Indien Monsooned Malabar Espresso" schmeckt man einen Hauch von Meersalz, denn er wird vor Ort in speziellen Lagerhäusern Wind und Regen des Monsuns ausgesetzt. Früher geschah das während des Transports mit Segelschiffen von Indien nach Bremen, da wurde der Rohkaffee sozusagen "mit Seeluft gewürzt".
Münchhausen bietet auch besondere Raritäten an: "Indonesien Toraja Gunung Sesean im handgeschnitzten Holzfässchen" oder den berühmten Schleichkatzenkaffee. Bei dieser indonesischen Sorte "Kopi Luwak" bekommt die Kaffeebohne erst auf dem Weg durch den Verdauungstrakt der Katze das richtige Aroma. Kenner schwören auf die Milde dieses Kaffees.
1935 gründete August Münchhausen einen Kaffeeversandhandel und baute sein Geschäft drei Jahre später zur Rösterei aus. Nach Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau des Hauses machte er mit seinem Kaffeeautomaten "Kleinkantine Piccolo" von sich reden.
Heute ist sein Familienunternehmen, das von der Tochter weiter geführt wird, die letzte traditionelle Rösterei Bremens. Verkauft werden Kaffee und Tee im Versandhandel und vormittags auch im Kontor.