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Gülbahar Kültür


 Foto Frau Gülbahar Kültür von Weltmusik, Lola's World Records

Gülbahar Kültür

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 Foto Neueste CD - Made in Turkey 4 - Weltmusik Lola's World Records

Made in Turkey
Volume 4














973

Gülbahar Kültür - Porträt

Weltmusik - Lola's World Records

Harem's Secret, Oriental Garden, Latin Garden, Gypsy Garden, Made in Persia, Made in Turkey, Swing Style oder Sufi’s Secret – Lola ist überall zu Hause, im Orient und im Okzident, in Europa, Asien und Lateinamerika. Lola's Welt ist so bunt und vielfältig wie die Kulturen dieser Erde. Das Logo des Labels: eine Frau mit roten Lockenschopf, Kopfhörer, die Augen geschlossen, ein sinnlicher roter Mund. Lola's Musik will verführen.

Multikulti mit Gefühl

Hinter "Lola's World Records" verbirgt sich Gülbahar Kültür, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Geboren wurde sie am Schwarzen Meer in der Türkei, aufgewachsen ist sie zunächst in Istanbul, dieser quirligen Metropole am Bosporus, in der sich die Kulturen und Religionen Asiens und Europas begegnen. "Wer hier lebt, fühlt ganz einfach, was multikulturell bedeutet", sagt sie.

Lyrik und Prosa

An der Universität Bremen studierte Gülbahar Kültür Germanistik und Kulturwissenschaften, begann hier bereits, sich mit Sprache und Ausdruck auseinander zu setzen. Nicht nur lebenspraktisch – sie musste ja erst Deutsch lernen – sondern auch literarisch. Sie schrieb schon früh Gedichte – zweisprachig, in Türkisch und Deutsch, Kurzprosa, Novellen, Märchen. Ihren Lehrern fiel ihr Talent auf: "Es gab einen Schulwettbewerb, über 500 SchülerInnen haben sich beteiligt und ich bekam einen Preis". Mit gerade mal neun Jahren. Ein früher Ansporn, weiterhin zu dichten.

Weltmusik und Taxifahren

Mit Weltmusik ist Gülbahar Kültür in Istanbul zwar aufgewachsen, sie zum Beruf zu machen, kam ihr Ende der 1980er Jahre noch nicht in den Sinn. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin, verdiente sich als Übersetzerin, freie Journalistin und Taxifahrerin ihren Lebensunterhalt. "Musik war stets ein Teil meines Lebens. Ich war immer eine gute Hörerin und habe über eine gute Platten- und CD-Sammlung" verfügt.

Aus der Not eine Tugend machen

Und die Idee, als Djane zu arbeiten? "Die gab es gar nicht wirklich, es hat sich so ergeben. Mitte der 90iger Jahre waren einige Freunde von mir unzufrieden mit dem, was in den 'normalen' Discotheken angeboten wurde. Überall lief Mainstream. Meine Freunde kamen aber von überall her, wollten Musik aus ihren Heimatländern hören und danach tanzen." Gülbahar Kültür besaß mehr CDs als die anderen, also sollte sie auflegen. So fing es an. "Not (in diesem Fall der anderen) macht bekanntlich erfinderisch, aus mir hat sie eine Djane gemacht. Und ich bereue es immer noch nicht" sagt sie.

Leben in zwei Kulturen

In zwei Kulturen aufgewachsen zu sein, bedeutet für Gülbahar Kültür, immer wieder nach Verbindungen zu suchen. Mitte der 80er Jahre begann sich der Begriff "Weltmusik" zu etablieren, als Mix aus westlicher Popmusik und nicht westlichen, oft traditionellen Klängen: "Alles, was irgendwie exotisch und nicht zu klassifizieren war, wurde der Weltmusik zugeordnet".
Weil Türken nur ihre türkische Popmusik spielten, Latinos lateinamerikanische und die europäischen Länder auch nur ihr jeweils nationaltypisches Süppchen kochten, kam ihr beim Plattenauflegen in der Disco die Idee: Weg vom üblichen Mainstream und Global beats mit modernen grooves kombinieren, auf gut deutsch: ein Mix von moderner Weltmusik mit traditionellen Wurzeln und jungen Sounds. Lola's World war entdeckt. Denn – so sagt sie augenzwinkernd – "meine Musik ist nicht von dieser Welt".

Weltmusik vom Feinsten

Der Mix war erfolgreich, die erste Doppel-CD mit dem Titel "Oriental Garden – The World Of Oriental Grooves" kam 2002 auf den Markt: Worldmusic vom Feinsten, zum Hören und zum Tanzen. Inzwischen sind es über 30 Doppel-Sampler. Die Musikjournalistin recherchiert überall in der Welt, um neue, spannende Sounds, Songs und Musiker zu finden. Außerdem arbeitet sie als Moderatorin und Musikredakteurin im Funkhaus Europa von Radio Bremen, einem Programm, das den Alltag von Migranten und das Leben in Europa thematisiert, eine Kooperation mit dem WDR.

Zweisprachige Lyrik

Aber Weltmusik ist nur die eine Seite von Gülbahar Kültür. Die Journalistin schreibt weiterhin Gedichte, Prosa, Märchen, auf hohem sprachlichen Niveau, sowohl in Deutsch als auch in Türkisch. Volkan Gücer, ein prominenter Komponist aus der Türkei, hat einige ihrer Gedichte inzwischen auch vertont. Gülbahar Kültür übersetzt außerdem türkische Lyrik, um Dichter ihrer Heimat auch in Deutschland bekannt zu machen. Auch Werke deutschsprachiger Lyriker werden von ihr ins Türkische übersetzt, u.a. Rainer Maria Rilke.

Tee und Sushi

Das alles erzählt sie bei schwarzem Tee mit mindestens vier Tütchen Zucker. Gülbahar Kültür liebt es zuckersüß. Wenn sie essen geht, dann am liebsten Sushi. Shake Maki ist ihre Lieblingssorte, Lachs im Reisröllchen. Und ihr Lebensmotto ist sprichwörtlich türkisch- kulinarisch: "Ein lachender Essigverkäufer macht bessere Geschäfte als ein Honigverkäufer mit saurer Miene."
(Christiane Schwalbe)