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Ein typisches Projekt der Freiwilligen-Agentur, wie der "Day of caring", bei dem Unternehmen ihre Mitarbeiter einen Tag freistellen, damit sie in gemeinnützigen Einrichtungen für einen guten Zweck tätig werden können. "Eine Idee aus den USA, die wir in Bremen seit 2004 umsetzen", sagt die Geschäftsführerin Birgitt Pfeiffer.
"Wir sind eine Plattform für freiwillige Arbeit, bieten Orientierung an, Informationen. Wir sind keinesfalls ein Arbeitsamt für Freiwillige" wehrt Birgitt Pfeiffer ab, "es geht ja nicht um Vermittlung in bezahlte Stellen, sondern um freiwilliges Mitarbeiten ohne Bezahlung. Das hat eine ganz andere Qualität. Menschen, die sich engagieren, erleben: Man tut etwas für sich, indem man etwas für andere tut."
Caritative Aufopferung oder kirchliche Barmherzigkeit sind längst nicht mehr die Hauptmotive von Menschen, die sich engagieren. "Es geht heute viel mehr um bürgerschaftliches Engagement, um aktive Mitgestaltung der Gesellschaft innerhalb einer gemeinnützigen Organisation, um Mitarbeit auf Augenhöhe."
Das Ehrenamt, das Ehre bringt, weil man sich als guter Bürger sozial und selbstlos engagiert, sieht heute anders aus, zeitgemäßer. "Freiwilligenarbeit hat so etwas wie ein Facelifting bekommen, wird moderner interpretiert und bezieht sich auf deutlich mehr Arbeitsfelder als die 'Klassiker', also Vorlesen im Altenheim, Hausaufgabenhilfe oder Canasta mit alten Damen."
Freiwilligenarbeit ist gefragt in Deutschland, sie gehört fast schon zum "guten Ton". Aber, sagt Birgitt Pfeiffer, "das klingt schon wieder nach gesellschaftlichem Druck. Für uns ist die Freiwilligkeit entscheidendes Kriterium, nicht der innere Zwang, sich engagieren zu müssen, nach dem Motto: wer nichts tut, ist ein schlechter Bürger."
Die Freiwilligen-Agentur Bremen war die erste in der Bundesrepublik, die Anfang der 1990er Jahre mit einem neuen Verständnis vom Ehrenamt gegründet wurde. Wichtig ist und bleibt für Birgitt Pfeiffer die "Freiheit der Entscheidung als Grundprinzip freiwilligen Engagements. Nur dann kann diese Arbeit effektiv für alle Seiten sein und auch Spaß bringen."
23 Millionen Freiwillige sind bundesweit aktiv. "Wir sind Dienstleister für Menschen, die sich engagieren wollen, eine Art Mittler zwischen denen, die mitarbeiten wollen und denen, die Unterstützung brauchen". Bremerinnen und Bremer können bei der Freiwilligen-Agentur ebenso fündig werden wie Unternehmen. "Wir informieren und führen zusammen. Was dann passiert, müssen die Beteiligten selbst herausfinden", d.h. ob und wie Organisation und Freiwilliger zusammen passen, welchen Umfang die freiwillige Tätigkeit haben soll, wo Schwerpunkte gesetzt werden.
Nicht nur dort, wo öffentlicher Sparzwang immer größere Löcher reisst, werden Freiwillige gebraucht. "Hier würden Politik und Verwaltung natürlich gern die Lücken füllen“, sagt Birgitt Pfeiffer, „aber Freiwillige sind da außerordentlich sensibel, lassen sich nicht als Verschiebemasse mal in dieses und mal in jenes Loch stopfen, sondern suchen Spielräume für eigenverantwortliches Handeln - gelegentlich auch dort, wo der öffentliche Sparzwang Löcher reisst."
Aufgaben finden sie im pädagogischen Bereich ebenso wie in Kultur, Sport, Umwelt- und Naturschutz, Computer, Kultur und Bildung. In der wachsenden Vielfalt der Tätigkeitsbereiche spiegelt sich auch ein Strukturwandel des Ehrenamts.
"Die Erwartungen derer, die sich engagieren, haben sich verändert", sagt Birgitt Pfeiffer, "es geht dabei nicht allein um 'Hilfe', sondern um Verantwortung und eigene Initiative. Freiwillige wollen ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen, in ihren Ideen und Kompetenzen ernst genommen werden" - parallel zu neuen, gesellschaftlich notwendigen Aufgaben, die ohne die Ressourcen Ehrenamt und Freiwilligenarbeit nicht zu bewältigen wären.
Wer eine Aufgabe sucht, der findet sie vielleicht bei "Aktivoli 2010", der Freiwilligenbörse im Bremer Rathaus am Sonntag, dem 31. Januar 2010. Hier stellen sich Organisationen und Projekte vor, die mit Freiwilligen arbeiten und neue Aktive suchen.
(Christiane Schwalbe)