Filmtipp

"So viele Jahre liebe ich dich"

REGIE:
Philippe Claudel


Fkr./D 2008
120 Minuten

DARSTELLER:
Kristin Scott Thomas
Elsa Zylberstein


Kinofilm So viele Jahre liebe ich dich, Filmtipps Bremen


"So viele Jahre liebe ich dich"

Früher haben sie zusammen Klavier gespielt, im grünen Haus in England. Die große hat der kleinen Schwester Geschichten vorgelesen. Dann wurden sie getrennt. Auf einem Flugplatz in Frankreich treffen sie sich wieder. Juliette, die Ältere, spricht kaum ein Wort, bleibt still und in sich gekehrt. Lea, die Jüngere, bemüht sich herzlich um sie.

Familienleben

Juliette wird eine Weile mit Leas Familie zusammen wohnen. Dazu gehören zwei Adoptivkinder aus Vietnam, ein Opa, der nach einem Schlaganfall nicht mehr spricht, aber ansonsten gut drauf ist, und ein Ehemann aus Polen. Für Juliette, die Schweigsame, Unnahbare, die um sich herum einen Schutzwall gelegt hat, eine ungewohnte Umgebung.

Dunkle Vergangenheit

Kommt Juliette aus dem Krankenhaus, aus der Psychiatrie, aus dem Knast? Irgendwann erfährt der Zuschauer die ganze dunkle Vergangenheit. Knast ja, aber warum? Juliettes Geschichte und Leas Umgang mit der Tat der Schwester wird vorsichtig, beobachtend, ruhig und fast bedächtig erzählt.
Das ist manchmal etwas langatmig, aber die Spannung nimmt zu, je normaler sich das alltägliche Familienleben um Juliette herum abspielt und je deutlicher sie sich immer wieder zu distanzieren versucht. Es klappt nicht, die Menschen in ihrer Umwelt nehmen sie einfach so wie sie ist.

Verborgen und verdrängt

Der Film erzählt die melodramatische Geschichte zweier Schwestern, die auseinandergerissen wurden als Juliette ins Gefängnis musste. Für die Eltern war sie seitdem gestorben, Lea durfte sie nicht besuchen. Inzwischen ist der Vater tot und die Mutter lebt demenzkrank im Heim.
Stück für Stück gibt der Film die schwierigen psychologischen Hintergründe preis, deckt Verborgenes und Verdrängtes behutsam auf, begleitet Juliette auf dem Weg zurück ins Leben. Ein Leben, das sie sich unter Tränen endlich gestattet, als sie ihr jahrelanges Schweigen aufgibt und Lea das tragische Geheimnis enthüllt.

Preiswürdig

Die komplizierte Familiengeschichte endet in neuem, gegenseitigem Vertrauen und aus dem anfänglich so grauen, verhärmten Gesicht der Juliette leuchtet zum Schluß wieder so etwas wie Lebensfreude - eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung.
Philippe Claudel ist Autor zahlreicher Romane, die zum Teil verfilmt wurden. Dieser Film, für den er auch das Drehbuch schrieb, ist sein Regiedebüt.
Auf der Berlinale 2008 bekam er den Publikumspreis und den Preis der Ökumenischen Jury.