Filmkritik


"Glaubensfrage"

REGIE:
John Patrick Shanley


USA 2008

DARSTELLER:
Meryl Streep
Philip Seymour Hofmann
Amy Adams

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"Glaubensfrage"

Eine katholische Schule 1964 in der Bronx. Präsident Kenenedy ist ein Jahr zuvor ermordet worden, der Vietnamkrieg eskaliert, Rassenunruhen nehmen zu, die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King kämpft gegen die Diskriminierung der Schwarzen.

Zeiten des Umbruchs

Es sind die unruhigen Zeiten des Umbruchs, die der Film allerdings komplett ausblendet. Nur in der Figur des liberalen Paters Flynn werden sie zaghaft angedeutet. Er trifft an der katholischen St. Nicholas Schule in der Bronx auf die dogmatische Ordensschwester Aloysius Beauvier. Sie leitet die Schule mit Härte und Disziplin, verbreitet Angst und Schrecken. Ihrem gnadenlosen Regiment der Einschüchterung stellt der Priester Fürsorglichkeit und Zuwendung für die Schüler entgegen. In seinen Predigten geht es um Menschlichkeit und Toleranz.

Bösartige Verleumdung

Das sind Eigenschaften, die der Nonne gar nicht ins strenge erzieherische Konzept passen. Sie lässt ihn beobachten und konstruiert aus seinem freundlichen Umgang mit dem einzigen schwarzen Schüler die bösartige Verleumdung, Pater Flynn habe ihn verführt. Der Priester ist entsetzt, reagiert aber defensiv. Vielleicht hat er ja doch ...?

Engstirnig und verbohrt

Eine Hetzjagd beginnt, in der Schwester Aloysius alles daran setzt, den Pater zu vertreiben. Engstirnig und verbohrt beharrt sie auf ihrem Vor-Urteil, verstört die junge Mitschwester, die alles ins Rollen brachte, und die Mutter des Jungen, eine Frau aus der Unterschicht.

Glauben und Moral

Es geht um Moral, Glauben und Wahrhaftigkeit. Das Bühnenstück von John Patrick Shanley wurde mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Der Autor führte Regie in diesen Film und schrieb das Drehbuch, zum Teil mit symbolhaft überladenen Szenen, die ins Lächerliche abdriften.
Mit Meryl Streep und John Philip Seymour Hoffmann hat er zwar zwei großartige Darsteller, die uns ein psychologisches Kammerspiel vorführen. Aber die Konzentration darauf ist streckenweise ziemlich mühsam. Es fehlt ganz einfach die Spannung gut erzählten Kinos.

(Christiane Schwalbe)