Filmkritik


"Die Buddenbrooks"

REGIE:
Heinrich Breloer


Deutschland 2008

DREHBUCH:
Heinrich Breloer,
Horst Königstein
nach dem Roman von Thomas Mann

DARSTELLER:
Armin Mueller-Stahl,
Jessica Schwarz,
August Diehl,
Mark Waschke,
Iris Berben

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"Die Buddenbrooks"

Lübeck, 1835. Es ist die Zeit des Biedermeier und des wohlanständigen Bürgertums in einer aufstrebenden Kaufmannsstadt, in der das Wort des Familienpatriarchen und nicht die Stimme des Herzens gilt. Wer heiratet, macht eine gute Partie mit einer ordentlichen Mitgift im Rücken. Das ist im Hause Buddenbrook genauso wie im Hause Hagenström. Noch spielen deren Kinder unbeschwert miteinander.

Wachsende Konkurrenz

Konsul Buddenbrook hat in der Kaufmannsstadt Lübeck mit Getreide viel Geld gemacht und es zu Wohlstand und Ehre gebracht. Aber die Zeichen für die angesehene Patrizierfamilie stehen schlecht. Als das Familienoberhaupt stirbt, übernimmt Sohn Thomas ein Geschäft, das sich gegen wachsende Konkurrenz behaupten muss, darunter die mächtigen Hagenströms.

Gesellschaftlicher Wandel

"Verfall einer Familie" heißt der Roman im Untertitel und so zeigt auch der Film das langsame Sterben bürgerlicher Werte. Hohe Mitgift für sittsame Bürgertöchter, Familientradition, Gehorsam, Pflichtbewusstsein und über allem das Geschäft, dem sich alle persönlichen Bedürfnisse unterzuordnen haben – diese Zeiten neigen sich dem Ende zu.
Politische und industrielle Revolution verändern eine Gesellschaft, in der Geld noch glücklich machen konnte. Die neue Zeit spricht eine andere Sprache, an der die Dynastie der Buddenbrooks scheitert.

Große Kulisse

Ein Film der prachtvollen Bilder und opulenten Kulisse, eine Starbesetzung und eine Romanvorlage, für die Thomas Mann den Literaturnobelpreis bekam. Da kann eigentlich nichts schief gehen, schon gar nicht, wenn Heinrich Breloer Regie führt und zusammen mit Horst Königsstein das Drehbuch geschrieben hat. Beide sind seit dem Fernseh-Dreiteiler "Die Manns" ausgewiesene Experten.

Ordentliche Literaturverfilmung

Die nunmehr vierte Verfilmung des Romans "Buddenbrooks" ist ein schöner, ruhiger und konventioneller Film von mäßiger Spannung, in dem gute Schauspieler gute Rollen spielen. Das Lübecker Holstentor taucht vielleicht etwas zu häufig auf, sozusagen als Schnitt-Stelle.
Heinrich Breloer hat den 1000-Seiten-Roman natürlich kräftig kürzen müssen, der Geschichte hat das nicht geschadet. "Es ist eine Verbeugung auch vor Thomas Mann, den ich sehr schätze", sagt er, "und ich wollte ihm eine ordentliche Literaturverfilmung schenken." Das hat er geschafft.

(Christiane Schwalbe