Filmtipp

"Anonyma -
eine Frau in Berlin"

REGIE:
Max Färberböck


Deutschland 2008
120 Minuten

DARSTELLER:
Nina Hoss
Jewgeni Sidikhin
Irm Hermann

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"Anonyma - eine Frau in Berlin"

Berlin, April 1945, der Krieg ist fast zu Ende. Die Russen marschieren als Befreier in die Stadt - und sind Unterdrücker der schlimmsten Art. Sie greifen sich die Frauen, im Sinne des Wortes, und vergewaltigen sie. Keine ist sicher, keine kann sich wehren. Eine Frau hat damals in Berlin ein Tagebuch geschrieben, zu veröffentlichen erst nach ihrem Tod und auch dann, ohne ihren Namen preis zu geben.

Siegerpose

Das Buch wurde bereits Ende 1959 veröffentlicht. Aber damals wollte es niemand lesen. Das Thema wurde lange Zeit tot geschwiegen - aus Scham, aus Angst, aus Rücksicht auf die heimkehrenden Männer. Ein dunkles Kapitel, das Max Färberböck schonungslos offenbart.
Er filmt keine geschönten Szenen, die Russen sind Sieger und so verhalten sie sich. Sie feiern die Kapitulation gröhlend und johlend, der Wodka fließt in Strömen. Sex, Frauen? Die wurden nicht gefragt, sondern beiseite gezerrt. Millionenfach ist das geschehen.

Wie oft?

Nina Hoss spielt die "Anonyma", eine Journalistin und Fotografin, klug und gebildet, die auch im Krieg auf hohem gesellschaftlichem Niveau gelebt hat, eine Privilegierte eben. Den Nazismus hat sie zumindest nicht abgelehnt. Die Antwort auf die Frage, ob sie Faschistin sei, bleibt sie schuldig.
Sie spricht russisch und versucht zu vermitteln, den Bewohnerinnen ihres Hauses zu helfen. Aber sie wird selbst Opfer. Einmal, zweimal ... Als sie ihre Freundin eines Tages wieder trifft, heißt es nur: Wie oft?

Nur einem zu Diensten

Massenvergewaltigungen durch die Russen, das ist aber nur ein Thema in diesem Film. Denn Anonyma beschließt, kein gedemütigtes Opfer zu bleiben, sondern sich einen Russen zu suchen, der sie beschützt, dem sie freiwillig "zu Diensten" ist.
"Ich nehme jeden", sagt sie, "so hoch es geht". Sie schafft es, einen Offizier von sich zu überzeugen, der ihren Mut und ihre Kraft bewundert und sich auf sie einlässt.

Krieg verändert die Worte

"Anonyma" ist ein plakativer Film von großer Intensität. Max Färberböck erzählt eine berührende und schockierende Geschichte menschlich und zugleich distanziert - mit Kommentaren aus dem Off, gesprochen von Nina Hoss, die trotz wachsender Zuneigung zu "ihrem" Offizier eine innere Unnahbarkeit zu bewahren versucht.
Aber: "Der Krieg verändert die Worte, Liebe ist nicht mehr das, was es mal war".

Der Stärkere siegt

Sieger ist immer nur der Stärkere, egal, mit welchen Mitteln. Wenn aber jemand Mut hat, sich zu wehren und sich Raum zu schaffen, dann ist auch das eine überlebenswichtige Stärke in kriegerischen Zeiten. Diese starke, mutige Frau wird gespielt von Nina Hoss, und sie vor allem trägt diesen Film.