

Osburg Verlag
Roman 2009
240 Seiten
19,95 Euro
Buchtipp von
Gabi von Alemann
tschech. Schriftsteller
* 20.Juli 1928 in Prag
lebt in Prag u. Wien
683
Man muss sich ein bisschen hineinfinden in diese Geschichte von Liebe und Verrat. Die Schauspielerin Eva Nostitzovà und der wesentlich ältere sozialdemokratische Star-Funktionär und Professor Felix Fischer führen eine glückliche Ehe, und dennoch verliebt sich Eva in den jungen Redakteur und Dichter Jan Soukup, der Mitglied im Politbüro der KP ist und der Partei glühende Kampfverse schmiedet, die ihn bekannt und beliebt gemacht haben. Jan musste seine Verehrung für Eva jahrelang auf Eis legen, bis sie sich im Februar 1948 wiedersehen.
Als Jan von der Staatssicherheit angeworben wird, sagt er zu. Die Staatsmacht plant den Zusammenschluss von Kommunisten und Sozialdemokraten, und der überrumpelt-überraschte Jung-Dichter, der auf den Sozi Felix Fischer angesetzt wird, ist gern bereit, dem vermeintlich guten Zweck zu dienen und merkt nicht, dass er in eine Falle tappt. Um den gutgläubigen Kommunisten Jan Soukup zieht sich die Schlinge der Intrige immer enger zusammen, und weder er noch Eva oder Felix erkennen, welches Ziel die Machthaber verfolgen.
Pavel Kohout ist in den 60er Jahren als Dramatiker bekannt geworden. Beinahe unmerklich zieht er in seinem neuen Roman die Spannungsschraube an. Was so beginnt wie eine leicht melancholisch-unbestimmte Dreiecksgeschichte, entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Politdrama, in dem die Liebenden nur mehr Schachfiguren der Staatsmacht sind.
Wie in seinen anderen Romanen zeigt Kohout auch in "Die Schlinge" sein tiefes, humorvolles Verständnis für die Menschen und ihre Fehler und Irrtümer.
(Gabi von Alemann)