

Diogenes Verlag
2009
19,90 Euro
757
Bruno nennt sich der gutaussehende Junggeselle, seines Zeichens chef de police im 3000-Seelen-Städtchen Saint-Denis im Herzen des Périgord. Bruno lebt mit seinem Hund in einem selbst ausgebauten alten Landhaus mit großem Garten, zieht Tomaten und Salat und kocht göttlich gut – und natürlich kennt er alle und jeden im Ort und kümmert sich um alles, was ein französischer Dorfpolizist zu tun hat.
Zum Beispiel um die Organisation des jährlichen Aufmarsches der lokalen Honoratioren zum 8. Mai. Oder um ein paar Jugendliche aus reichem Haus, die Drogenparties feiern und rechte Parolen verbreiten. Und darum, dass schon wieder!!! ein paar EU-Inspektoren aus Brüssel gesichtet wurden, die den braven Landleuten, die auf dem Wochenmarkt von Saint-Denis ihre hausgemachten rillettes und ihren selbstgemachten Käse verkaufen, das Leben schwer machen. Ungestempelte Eier auf dem Markt?! Nicht EU-konform.
Und während Bruno noch Pläne schmiedet, um die Inspektoren ein für alle Mal zu vertreiben, während er vermittelt und schlichtet und zwischendurch die frechen Jungs aus seiner Rugby-Mannschaft an die Kandare nimmt, geschieht im beschaulichen Städtchen ein Mord.
Hamid heißt der Tote, ein alter Mann, der aus Algerien stammte und zurückgezogen lebte. Gewisse Umstände der Tat weisen auf ein Verbrechen aus rassistischen Motiven hin. Ausländer raus in Saint-Denis? Die police nationale ermittelt, Bruno als Dorfpolizist steht ihnen "beratend" zur Seite; und es dauert nicht lange, da steckt man schon mittendrin in der französischen Geschichte, und nicht nur die maghrebinischen Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien, sondern auch die Résistance und das Vichy-Régime werfen ihre langen Schatten...
Aus vielerlei bunten Versatzstücken baut der Schotte Martin Walker (Jahrgang 1947), USA-Journalist und Frankreich-Kenner, mit „Bruno“ einen absolut bezaubernden Sommer-Krimi, der alles hat, was gute Unterhaltung braucht: einen sympathischen, schlitzohrigen Helden, Charme und Atmosphäre, einen guten Schuss Lokalpoltik und -historie, dazu eine kleine Liebesgeschichte, Schwung und Humor, und nicht zuletzt echte Krimi-Spannung, denn, ganz klassisch: wer war denn nun der Mörder?
Und wenn die Geschichte bei aller augenzwinkernden Unterhaltsamkeit obendrein noch ein paar ernste Untertöne hat und trotz gelegentlicher Slapstick-Szenen nie in Albernheit abgleitet, dann ist der Nachmittag im Lesesessel einfach perfekt. Französische Lebensart und britischer Humor: Diese Mischung bringt's.
Ein Buch mit Gute-Laune-Garantie.
(Gabi von Alemann)