Buchtipp
Krimi


Buchumschlag des  Krimis von John Le Carré, Marionetten, Buchbesprechungen und Buchtipps, Neuerscheinungen

John Le Carré
"Marionetten"


Ullstein Verlag
22,90 Euro

AUDIOBOOK:
gelesen von
Herbert Knaup
Hörbuch Hamburg
24,90 Euro



Ein Buchtipp von
Gabi von Alemann
(Humboldt Buchhandlung)

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Ostertorsteinweg 76
28203 Bremen


John Le Carré
"Marionetten"

John Le Carré muss man nicht mehr besonders vorstellen: Nach Der Spion, der aus der Kälte kam (1963), nach Dame, König, As, Spion (1974), nach Der ewige Gärtner (2001) und vielen Titeln mehr gilt der 67jährige Brite inzwischen als der Altmeister des Agententhrillers. Jetzt zum Herbst 2008 hat der ehemalige Berufsspion in britischen Staatsdiensten einen neuen Roman vorgelegt: Marionetten.

Millionen auf dem Nummernkonto

Spielort der Geschichte ist Hamburg. In bester Lage nahe am Alsterufer befindet sich die Privatbank Brue Frères, vormals Schottland und Wien, nun also Hamburg, in der der jetzige Inhaber, Tommy Brue, das Erbe seines Vaters weiterführt. Inklusive eines geheimen Nummernkontos, auf dem die in schlimmen Zeiten und mit üblen Methoden erworbenen Millionen eines gewissen Karpow schlummern.
Der war Oberst in der Roten Armee und starb unter mysteriösen Umständen; und Banker Brue jr. würde das Geld am liebsten weiter schlummern lassen, zumal die Bank schon bessere Zeiten gesehen hat.

Verfolgt und gefoltert

Aber dann kommt Bewegung in die Sache: Brue erhält den Anruf einer jungen Anwältin, Annabel Richter, die bei einer Flüchtlingshilfe-Organisation arbeitet. In ihrem Schlepptau befindet sich ihr Mandant Issa K., der behauptet, als Tschetschene von den Russen verfolgt und gefoltert worden zu sein.
Nach einer Flucht quer durch Europa landete Issa in Hamburg bei einer barmherzigen türkischen Familie und erhebt nun, als gläubiger Muslim, staatenlos und illegal in Deutschland, krank und von der Folter gezeichnet, Anspruch auf die Millionen des toten Oberst.

Im Netz von Agenten

Spätestens jetzt erhebt sich die Frage: Wer sind hier die Guten? Wer die Bösen? Typisch für Le Carrés Bücher: Die Grenzen verschwimmen. So ist es auch hier. Kann Issa's Geschichte so stimmen, oder ist er ein raffiniert eingeschleuster islamistischer Terrorist?
Le Carrés Trick ist einfach, aber wirkungsvoll: Er stellt diese Frage gar nicht. Stattdessen lässt er die internationalen Geheimdienste aufmarschieren, komplett mit Nahostexperten und Agentenführern, mit Verfassungsschutz und britischer MI6 und hoch geheimer Spezialeinheit.
Sie alle beginnen die Fäden zu ziehen - aber wer in diesem Spiel die Schuldigen und die Unschuldigen, wer wirklich die Marionetten sind, das erweist sich dann erst am bitter-konsequenten Ende im großartig spannenden Showdown. Agenten sind Agenten sind Agenten... und daran scheitern auch Agenten mit echtem Agenten-Ethos. Cool gemacht, Mr. Le Carré!

(Gabi von Alemann)