

Mosaik bei Goldmann 2008
352 Seiten
24,95 Euro
Buchtipp von
Christiane Schwalbe
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Schreiben Florian und Thomas Fischer-Fabian im Vorwort ihrer Gourmet-Bibel, einem Buch, das angesichts von Analogkäse, Mogelschinken und künstlichen Aromen eine Pflichtlektüre für jeden genußbewußten Verbraucher sein müsste. Aber es ist natürlich ein Buch für Gourmets und solche, die es werden wollen. Gleichwohl stehen viele Informationen drin, die jeden angehen, der gerne kocht und gerne isst und sich dafür um den Erwerb guter Lebensmittel bemüht.
Entgegen einem landläufigen Vorurteil findet man solche Lebensmittel nicht nur in teuren Delikatessengeschäften oder edlen Kaufhaus-Feinkostabteilungen. Die Supermärkte haben ihr Bio-Angebot ausgebaut, in Naturkostläden gibt es preiswerte Sonderangebote und Wochenmärkte sind zu jeder Jahreszeit eine Fundgrube für Feines und Frisches aus der Region, das bezahlbar ist.
Auf der Suche nach Gourmet-Erlebnissen wollen Florian und Thomas Fischer-Fabian dem ursprünglichen Geschmack auf die Spur kommen:
"Die Produkte, die wir ausgewählt haben, sind die besten ihrer Art. Denn nur das beste ist das einzig gültige Maß. Man muss das Optimum kennengelernt haben, um beurteilen zu können, ob etwas gut, weniger gut oder schlecht ist."
Das Buch ist ein Führer durch die Welt des guten Geschmacks, der vor allem deshalb besondere Produkte bevorzugt, weil sie im Sinne des Wortes natürlich und nicht nach Grundsätzen "betriebswirtschaftlicher Effizienz" produziert wurden. Das schmeckt man, und das hat natürlich seinen Preis. Dennoch ist die Gourmet-Bibel nicht nur ein Buch für Luxus-Esser.
Selbst wenn man sich Kaviar höchst selten leisten kann, statt Perlhuhn "nur" ein Freilandhuhn im Ofen bruzzelt und die tägliche Frühstücksbutter nicht von normannischen Kühen stammt: Wer gerne gut isst und gerne gut kocht, dem macht es einfach Spaß, in diesem Führer zu schmökern und Nahrungsmittel "vom Feinsten" kennen zu lernen.
Vom Bistecca alla Fiorentina aus Chianina-Rindfleisch, Roter Königskrabbe und Ochsenherz-Tomaten über hoch dekorierten Manchego-Käse, gesetzlich geschützten Büffel-Mozarella, Skrei aus Norwegen und Perlhühner aus der Bresse bis zu Miesmuscheln aus der Bucht von Mont-Saint-Michel, Radicchio Rosso Tardivo und Risotto-Reis Carnaroli: Die Gourmet-Bibel erzählt Geschichte und Geschichten über Nahrungsmittel, die nicht industriell produziert wurden, also teurer sind und wirklich gut schmecken.
Es gibt auch ganz schlichte Spezialitäten zu entdecken: Teltower Rübchen zum Beispiel, eine Lieblingsspeise Goethes, holländischer Matjes und Butter aus dem Odenwald. Die Autoren plädieren vehement für regionale Produkte:
"Die Franzosen nennen das 'terroir'. Sie bezeichnen damit den unverwechselbaren Charakter einer Region und seiner Erzeugnisse. Dieser Begriff ist unseren Nachbarn heilig ..."
Elf umfangreiche und zum Teil illustrierte Kapitel über die Delikatessen dieser Welt, von Fleisch & Geflügel, Fisch, Gemüse, Pilze & Reis bis zu Wurst, Schinken & Speck, Butter & Käse, Obst, Salz, Pfeffer & Würzmittel bis zu Saucen und Konserven. Dazu Tipps und Kommentare von Sterneköchen, Sommeliers und Feinkosthändlern und eine Shopping-Liste: Internationale Feinkost-Tempel und Gourmet-Portale im Internet für alle, die mit diesem Buch Lust bekommen, sich mal was richtig Gutes zu gönnen. Das darf dann auch mal teurer sein.
(Christiane Schwalbe)